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waschen, schneiden hören

Oliver Bedorf

waschen schneiden hören ist eine Sound- und Bewegungsperformance im Friseursalon – einem alltäglichen, zugleich intimen Raum der Veränderung. Friseursalons sind Orte, an denen wir uns bewusst entscheiden, nicht länger zu warten: Wir lassen etwas hinter uns, erneuern uns, verändern unser Erscheinungsbild. Die Performance fragt vor diesem Hintergrund: Worauf sollen wir noch warten? Statt darauf zu warten, dass sich etwas verändert, können wir vielleicht selber etwas verändern – oder unsere Sichtweise und Perspektive.

Ausgangspunkt ist ein Interview aus dem Jahr 2018, das der Künstler Ende der 1980er Jahre mit Douglas, einem englischen Friseur, führte, der ihm in Köln seinen ersten urbanen Haarschnitt verpasste. Diese erste Frisur war mehr als eine ästhetische Entscheidung – sie markierte einen biografischen Übergang. Im Gespräch sprach Douglas von seinem Wunsch, den Friseurberuf zu verlassen und Bienen zu züchten: ein Bild für das Aufschieben von Veränderung und für latente Möglichkeiten, die im Alltag oft unerfüllt bleiben.
Gemeinsam mit einer Tänzerin wird dieser biografische und gesellschaftliche Resonanzraum performativ erfahrbar gemacht. Mit beleuchteten Ghettoblastern bewegen sich die Performenden durch den Friseursalon.
Die Soundebene speist sich aus Gesprächen mit Friseur*innen, aus Geräuschen von Schere, Föhn und Wasser sowie aus fragmentierten Erzählungen über Wünsche, Übergänge und Entscheidungen. Diese Klänge kehren an den Ort zurück, an dem sie entstanden sind, und erzeugen eine Feedbackschleife zwischen Erinnerung, Gegenwart und Handlung.

Das Publikum sitzt gemeinsam mit den Performenden im Salon. Der vertraute Ort wird durch Licht, Bewegung und Klang transformiert: Das sonst Unbeachtete rückt in den Mittelpunkt. Kleine Gesten, Berührungen und akustische Details öffnen einen kontemplativen Raum, in dem Nähe entsteht, ohne festgeschrieben zu sein.
Der Friseursalon wird zum temporären Performance-Raum im Sinne eines objet trouvé – ein sozialer Ort, der uns prägt und von uns geprägt wird.

waschen schneiden hören richtet sich an Nachbar*innen, Passant*innen und Festivalbesucher*innen ebenso wie an Menschen, die sonst einfach „nur“ zum Friseur gehen. Die Performance lädt Erwachsene und Kinder dazu ein, innezuhalten, zuzuhören und den vertrauten Ort aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Neustadt-FriseurSalon / Josefstr. 1 /  ab 17:00
Führung zum Spielort: Treffpunkt 16:45 / Festivalbüro / Bochumer Str. 108