Das literarische Wartezimmer
Carola Gruber / Andrea Rohmert / Gabriel Wolkenfeld
Auf den ersten Blick wirkt es wie ein vertrauter Ort – etwa das Wartezimmer einer Arztpraxis. Doch das „Praxis-Team“ Gruber, Rohmert und Wolkenfeld verwandeln diesen Raum in eine kreative Spielwiese, an der die Zeit nicht „abgelaufen“, sondern aktiv genutzt wird. Wer hier eintritt, muss nicht auf seinen Namen warten, sondern ist eingeladen, die Zeit für sich zu entdecken und sich literarisch auszuprobieren.
An verschiedenen Stationen findet ihr niederschwellige Impulse, die jede*n dazu einladen, kreativ zu werden – ganz ohne Vorkenntnisse und unabhängig vom Alter. Ob durch Blackout-Poetry, collagenartige Wortspiele oder persönliche Reflexionen über das Thema „Warten“: Die Teilnehmenden experimentieren spielerisch mit Sprache und Gedanken. Begleitet von den Projektbeteiligten wird der Einstieg in das Schreiben leicht gemacht, sodass auch Menschen, die sich selbst nicht für kreativ halten, ihre eigene Stimme finden können.
Zusätzlich zu den Einzelstationen laden regelmäßige Mini-Workshops zum gemeinsamen Gestalten ein. In kleinen Gruppen werden Texte zum Motto der Szeniale verfasst, laut gelesen und gemeinsam diskutiert. So wird das Schreiben vom privaten Moment zum kollektiven Erlebnis. Das literarische Wartezimmer bietet damit einen wertvollen Ort der Ruhe und Reflexion zwischen den Programmpunkten der Szeniale, um Gesehenes und Gehörtes zu verarbeiten.
Die entstandenen Texte und Collagen werden im Raum präsentiert und verwandeln das Wartezimmer nach und nach in eine wachsende Ausstellung. Am Ende der Workshop-Phase wird der Raum vollständig zum Ausstellungsort und Treffpunkt für Lesungen oder Konzerte. So entsteht ein lebendiges Archiv aus persönlichen Gedanken, das zeigt, dass Warten nicht passiv sein muss, sondern Raum für neue Perspektiven schafft.