Consumption
Leonie Schön
Consumption – einer der historischen Namen für Tuberkulose – thematisiert eine Krankheit, die in stabilen Gesundheitssystemen oft als überwunden oder randständig gilt, weltweit jedoch nach wie vor zu den tödlichsten Infektionskrankheiten zählt. Das Projekt macht deutlich: Dass Tuberkulose heute noch immer Leben fordert, ist kein medizinisches Versagen, sondern das Ergebnis einer ungleichen Verteilung von Ressourcen, Infrastruktur und politischer Aufmerksamkeit.
Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung steht eine großformatige Ölarbeit, die krankhafte Veränderungen der Atemräume sichtbar macht und so die körperliche Dimension von Zeit, Atem und Verdichtung erfahrbar macht. Ergänzt wird dieses Hauptwerk durch eine Serie kleinerer Aquarelle und begleitende Texte, welche die Infektion aus medizinischen, historischen, gesellschaftlichen und persönlichen Perspektiven beleuchten. Gemeinsam schaffen sie einen Resonanzraum, der das Unsichtbare sichtbar macht.
Die Präsentation dieser Arbeiten an einem Ort, an dem Tuberkulose kaum noch im Bewusstsein präsent ist, soll bewusst Irritation erzeugen. Das Projekt versteht die Krankheit als ein Public-Health-Phänomen und als Spiegel sozialer Ungleichheit: Wer hat Zugang zu Diagnostik und Therapie – und wer bleibt auf der Strecke? Die Ausstellung lädt dazu ein, eine globale Gesundheitsrealität wahrzunehmen, die im lokalen Alltag meist verborgen bleibt.
Unter dem Leitmotiv „Worauf wollen wir noch warten?“ wird das Projekt von Leonie Schön zu einer ethischen und gesundheitspolitischen Fragestellung. Consumption nutzt die Kunst als Ort, um über Verantwortung und Verzögerung zu diskutieren. Es stellt die drängende Frage, wie lange wir bereit sind, das Leid anderer zu ignorieren, und wer letztlich die Kosten dieses Wartens mit seinem Leben bezahlt.