WIE DU HINEINRUFST
Thomas Machoczek / Geremia Carrara
Darf man nichts mehr sagen?
Doch. Wir können unsere Stimme erheben, und gemeinsam bestimmen, welche Stimmlage vorherrschend ist in der Politik.
Worauf wartest Du noch?
Die Klanginstallation WIE DU HINEINRUFST lädt dazu ein hinzuhören, zuzuhören und Stimmen (wieder) zu entdecken – die der anderen, aber auch die eigene. Spielerisch, partizipativ und doch doppelsinnig lädt die künstlerische Intervention dazu ein, sich mit der Frage nach der Bedeutung der Stimme des Einzelnen in der und für die Demokratie auseinander zu setzen. Als soziale Plastik lädt sie dazu ein, die eigene Stimme beizutragen und sie – im doppelten Sinne reflektiert – im Konzert der Anderen zu erfahren. Und: WIE DU HINEINRUFST transformiert auf poetische Weise einen Ort im urbanen Raum.
Ein Hof im Quartier wird in einen akustischen Stimmenwald verwandelt, aus dem es herausschallt, fast so, wie zuvor hineingerufen wurde. Der Stimmenwald wird gebildet von vorhandenen Bäumen und ergänzt durch zusätzlich aufgestellte Pflanzen. In diesem vielgestaltigen „Wäldchen“ ist ein Grundsound zu hören, der in das urban überformte Umfeld eine akustische Schneise schlägt und eine angenehme, waldähnliche Hintergrundstimmung erzeugt. Darin mischt sich das Konzert der „Stimmen der Demokratie“.
Wer sich ihnen nähert, entdeckt die vielfältigen Antworten auf das, was Demokratie ist oder sein sollte. Sie alle stehen gleichberechtigt für sich, sind nacheinander zu hören, aber auch gleichzeitig an unterschiedlichen Orten. Sie laden zum Auf- und Zuhören ein und bilden das filigrane, vielstimmige organisch anmutende Grundgeflecht, das zunehmend von neuen Gedanken und Impulsen überwachsen wird – den jede und jeder ist aufgefordert, seine / ihre eigene Stimme zu erheben und eigene Aussagen hinzufügen. Ein Rednerpult mit Mikrofon bildet daher den zentralen Bezugspunkt der Installation. Das Pult symbolisiert die grundlegende Funktionsweise des parlamentarischen Redens.
Es fordert gleichzeitig dazu auf, die eigene Position öffentlich zu machen, die eigene Stimme dem Konzert der Demokratie hinzuzufügen. Im Laufe der Aktion entsteht so ein zunehmend vielschichtiges, lebendiges Abbild unserer Gesellschaft, unserer Sprache im Umgang miteinander und unseres Verhältnisses zur Demokratie, erwachsen aus einem gemeinsamen Prozess aller Beteiligten.
Wer zuhört, erfährt den lebendigen Pluralismus der Aussagen und entdeckt die Vielfalt der Stimmungen und Stimmen. Wer sich selbst ermächtigt und die eigene Stimme beiträgt und öffentlich erkennbar zur eigenen Aussage steht, begegnet sich als Teil eines pluralistischen Stimmenkonzerts – und gibt gleichzeitig bereits eine Antwort auf die immer mitschwingende, grundlegende Frage: Was ist Demokratie?